Konzernsicherheit
Im ersten Halbjahr 2026 waren die Security-Aktivitäten des DB-Konzerns von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit der Mitarbeitenden geprägt. Zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft betreffen DB-Mitarbeitende ebenso wie Mitarbeitende von Ordnungsbehörden, Rettungs- und Sozialdiensten. In Bahnhöfen und Zügen sind DB-Mitarbeitende täglich Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Februar 2026 kamen Spitzenvertreter:innen von Bund, Ländern, Arbeitnehmendenvertretungen und der Verkehrsbranche Mitte Februar 2026 zu einem vom DB-Konzern initiierten Sicherheitsgipfel zusammen. Mit dem »Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene« wurde auf Basis eines breiten gemeinsamen Verständnisses erstmals ein umfassender Maßnahmenrahmen für den Schutz der Mitarbeitenden im öffentlichen Verkehr etabliert.
Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV), dem Bundesministerium des Innern (BMI) und der Bundespolizei wurde ein Rahmen erarbeitet, der sowohl für den DB-Konzern als auch für die Unternehmen der Branche Maßnahmen für mehr Sicherheit definiert. Neben der Umsetzung von Maßnahmen in der Verantwortung der einzelnen Unternehmen umfasst der Maßnahmenplan auch übergeordnete Themen. Im Sinne der Mitarbeitenden sollen die meisten Maßnahmen noch 2026 Wirkung entfalten. Komplexere Themen, etwa die Anpassung des gesetzlichen Rahmens für Audioaufzeichnungen durch Bodycams oder die Prüfung einer besonderen Strafbarkeit von Angriffen auf Mitarbeitende öffentlicher Betriebe wurden adressiert und in die jeweiligen politisch-administrativen Prozesse eingebracht.
Umsetzung des Aktionsplans für mehr Sicherheit
- Verstärkte Präsenz von Polizeikräften in Bahnhöfen: Ein wesentlicher Beitrag der Bundespolizei zur Sicherheit des Systems Bahn im Rahmen der seit über 25 Jahren bestehenden Ordnungspartnerschaft mit dem DB-Konzern sind Schwerpunktkontrollen in Bahnhöfen. Im ersten Halbjahr 2026 gab es mehr als 30 Schwerpunkteinsätze. Dabei kontrollierten sichtbar mehr Polizeikräfte insbesondere in großen Bahnhöfen die Einhaltung von Waffen- oder Alkoholkonsumverboten und traten durch erhöhte Präsenz zunehmender Gewalt und Kriminalität in Bahnhöfen entgegen.
- Bodycams mit Audiofunktion: Um künftig Audioaufzeichnungen von Bodycams zu ermöglichen, fanden erste Gespräche mit den zuständigen Ministerien und Behörden statt. DB Regio strebt eine Pilotierung im vierten Quartal 2026 an. Ziel ist es, die deeskalierende Schutzwirkung der Bodycams weiter auszubauen und Rechtssicherheit zu schaffen. Durch Audioaufzeichnungen lassen sich Konfliktverläufe schlüssiger nachvollziehen. Dies kann zu einer verbesserten Strafverfolgung beitragen.
- Bodycams bei DB Fernverkehr: Seit dem 1. Juli 2026 stellt DB Fernverkehr seinen Mitarbeitenden im Zug und in den DB Lounges Bodycams zur Verfügung. Mehr als 2.000 Mitarbeitende haben sich bereits vorab freiwillig für die Nutzung der Bodycams angemeldet. Dies entspricht rund 25 % der in der ersten Welle angesprochenen Mitarbeitenden. Die Auswertung des seit August 2025 laufenden Pilotbetriebs bestätigt die bisherigen Erfahrungen zum Einsatz von Bodycams aus anderen Geschäftsfeldern u. a. anhand gemeldeter Vorfälle: Mitarbeitende mit Bodycam erfuhren im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich weniger personenbezogene Delikte. Die Bodycam leistet dabei neben einem Beitrag zum subjektiven Sicherheitsgefühl auch im Arbeitsalltag eine messbare deeskalierende Wirkung.
- Bodycams bei DB Regio: Neben Sicherheitskräften, die bereits seit 2016 mit Bodycams ausgerüstet sind, haben inzwischen auf freiwilliger Basis rund 6.000 Kundenbetreuer:innen im Nahverkehr von DB Regio die Möglichkeit, im Dienst Bodycams zu tragen. Aktuell befinden sich rund 1.800 Bodycams im Einsatzbestand, der entsprechend der Nachfrage ausgebaut wird.
- Prio-Ruf bei DB Regio: Prio-Ruf-Geräte, die in der Regel als Armband getragen werden, sind seit Dezember 2025 mitnahmepflichtige Ausrüstungsgegenstände für alle Kundenbetreuer:innen im Nahverkehr. Der Prio-Ruf soll zukünftig auch den Triebfahrzeugführer:innen zur freiwilligen Nutzung zur Verfügung stehen. Die Geräte ermöglichen es, kritische Situationen per Tastendruck schnell und unauffällig an die Leitstelle zu melden.
- Pilotprojekt zur Doppelbesetzung: DB Regio prüft gemeinsam mit den Aufgabenträgern, auf welchen Linien des Regionalverkehrs personelle Verstärkungen möglich sind. Im Praxiseinsatz geprüft werden Doppelbesetzungen von Zugbegleiter:innen, Teams für Schwerpunktkontrollen sowie kombinierte Einsätze von Kundenbetreuer:innen im Nahverkehr und Sicherheitskräften.
- Schutzhelme für Sicherheitskräfte in besonderen Einsatzlagen: V. a. Sicherheitskräfte des DB-Konzerns in sog. Mobilen Unterstützungsgruppen (MUG) werden bei Großveranstaltungen, Kundgebungen oder im Fußballfanreiseverkehr eingesetzt. Um dabei besser geschützt zu sein, haben Mitarbeitende der MUG Berlin im Rahmen eines Pilotprojekts Schutzhelme erhalten. Bis zum Jahresende 2026 sollen Erfahrungen gesammelt werden, um über einen künftigen Einsatz zu entscheiden.
Internationale Zusammenarbeit
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit des DB-Konzerns mit den Security-Bereichen anderer europäischer Eisenbahnen fand im Juni 2026 in Deutschland die Generalversammlung der COLPOFER (Collaboration of Railway Police and Security Services) statt, an der Security-Expert:innen der Eisenbahnen aus 34 Ländern teilnahmen. Im Mittelpunkt des Dialogs standen Themen wie der Schutz vor hybriden Angriffen, die Vereinbarkeit von Grenzkontrollen mit Sicherheitsbedürfnissen einzelner Partner, bahnbetriebliche Anforderungen und die Freizügigkeit des EU-Binnenverkehrs. Zunehmend an Bedeutung gewinnen die Rolle der europäischen Eisenbahnen für militärische Verkehre und die zivile Verteidigung sowie die Resilienz im militärischen Krisenfall.
Schutz der kritischen Infrastruktur
In enger Zusammenarbeit mit dem BMI und dem BMV entwickelt der DB-Konzern Strategien für den Schutz der Infrastruktur, Schutzkonzepte für kritische Prozesse sowie ein Berichts- und Meldewesen. Maßgeblich ist dafür der Rahmen des KRITIS-Dachgesetzes, das seit März 2026 die Umsetzung von EU-Vorgaben in nationales Recht definiert. Neben operativen Security-Maßnahmen unter Einsatz technischer und personeller Ressourcen stehen die gezielte Anlage von Redundanzen für IT-, Schalt- und Leitungsanlagen sowie die zunehmende technische Sicherung von Außenanlagen unter Nutzung innovativer Technologien im Fokus.
Resilienz der kritischen Infrastrukturen
Im April 2026 hat der DB-Konzern ein geschäftsfeldübergreifendes Projekt zur Resilienz des DB-Konzerns und seiner Prozesse aufgesetzt. Ausgangspunkt waren verschiedene Einflüsse mit erheblichen Auswirkungen auf Prozesse des DB-Konzerns. Das Projekt Resilienz Kritischer Infrastrukturen (RKI) analysiert u. a. Cyberangriffe, physische Eingriffe in die Infrastruktur, gezielte Ausforschung von Unternehmensgeheimnissen, klimatische Extremsituationen sowie die instabile globale Sicherheitslage. Nach der Identifizierung kritischer Prozesse entstehen derzeit eine Leitlinie für den Umgang mit Bedrohungen und eine Strategie, um möglichst viele Prozesse auch bei Beeinträchtigungen fortführen zu können. Im Ergebnis sollen technische, personelle und organisatorische Maßnahmen einen Rahmen bilden, um den DB-Konzern auch in Extremsituationen belastbar und zuverlässig aufzustellen.
Erweiterte Kooperation mit kommunalen Partnern
Die Ordnungspartnerschaft des DB-Konzerns mit der Bundespolizei ist mit ihren technischen und personellen Ressourcen ein solides Fundament für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen. Die über Jahre gewachsene Zusammenarbeit auf allen Ebenen im täglichen operativen Geschäft wird ergänzt durch die gemeinsame Qualifikation von Nachwuchskräften im Polizei- und Sicherheitsdienst sowie durch gemeinsame Arbeit mit Forschung und Wissenschaft an Sicherheitstechnologien oder an Schnittstellen von Security und sozialer Fürsorge. Diese Schnittstellen erfordern insbesondere in Bahnhöfen ein hohes Maß an Sensibilität von Polizei- und Sicherheitskräften. Bahnhöfe dienen nicht nur Reisenden als Treffpunkt. In Bahnhöfen bilden sich auch gesellschaftliche Entwicklungen ab, die durch das städtische Umfeld geprägt sind. Für Reisende kann dies das subjektive Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Dessen Verbesserung ist ein zentrales Anliegen des DB-Konzerns und der Bundespolizei. Um an der Schnittstelle zwischen Security und sozialer Fürsorge, v. a. aber im Sinne der Reisenden, die Aufenthaltsqualität an Bahnhöfen zu verbessern, ist ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz erforderlich. Nach ersten Kooperationsprojekten mit Kommunen, kommunalen Verkehrsbetrieben und Trägern sozialer Einrichtungen gelingt es zunehmend, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Ein wichtiges Instrument ist der gemeinsame Einsatz von Landes- und Bundespolizist:innen sowie Sicherheitskräften des DB-Konzerns und kommunaler Verkehrsunternehmen. Nach einer Pilotierung in Hamburg mit sog. Quattro-Streifen, also der gemeinsamen Präsenz aller Kräfte, die für Sicherheit und Ordnung im Bahnhof und seinem Umfeld verantwortlich sind, zeichnet sich eine Verbesserung der Situation am Hamburger Hauptbahnhof und in seinem Umfeld ab. Im ersten Halbjahr 2026 ist es durch Vereinbarungen mit kommunalen Behörden gelungen, ähnliche Modelle u. a. in Hannover, Bremen, München, Frankfurt am Main, Essen, Dortmund und Köln zu etablieren. An weiteren Standorten laufen Verhandlungen, um einen gemeinsamen Einsatz von Ordnungskräften zu ermöglichen.
Darüber hinaus ist das Engagement der Kommunen gefragt, um Menschen in prekären Lebenslagen zu unterstützen. Soweit sich diese Personen schwerpunktmäßig an Bahnhöfen aufhalten, können sie Reisende mitunter verunsichern und durch ihr Verhalten Ressourcen von Sicherheits- und Polizeikräften binden. Die Betreuung dieser Personengruppen kann Ordnungskräfte überfordern, da die erforderliche weiterführende soziale Betreuung weder der DB-Konzern noch die Bundespolizei leisten können. In diesem Sinne ist der DB-Konzern verstärkt im Dialog mit Kommunen mit großen und mittleren Bahnhöfen, um eine gemeinsame Verantwortung für den Bahnhof und sein Umfeld zu definieren und gemeinsame Konzepte zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in Bahnhöfen und ihrem Umfeld zu erarbeiten.