Vorwort der Vorstandsvorsitzenden
Vorwort der Vorstandsvorsitzenden
Vertrauen schaffen, Vertrauen stärken
Liebe Leserinnen und Leser,
mir geht es heute um mehr als Kennzahlen. Mir geht es um Vertrauen. Nicht um blindes Vertrauen, sondern um Vertrauen, das man sich verdienen muss. Es entsteht, wenn Menschen ehrlich miteinander umgehen und zuverlässig sind.
Ich bin vor zehn Monaten als Vorstandsvorsitzende angetreten, um das Vertrauen in die Deutsche Bahn zurückzugewinnen. In den vergangenen Jahren haben wir viel Vertrauen verloren – bei unseren Fahrgästen, bei Politik und Eigentümer sowie bei unseren Mitarbeitenden. Sie alle erwarten von uns eine verlässliche und leistungsstarke Bahn.
Was machen wir heute anders? Ich habe Schluss gemacht mit vollmundigen Versprechen. Ich sage, was ist – auch wenn es manchmal wehtut. Dazu gehört auch: Von den Wachstumszielen der bisherigen Strategie haben wir uns verabschiedet. Sie waren unrealistisch. Unser Fokus liegt heute auf Stabilisierung und deutlich mehr Qualität im bestehenden Zugverkehr.
Mit unserer neuen Strategie DB 2035 haben wir im Juni 2026 gemeinsam mit dem Aufsichtsrat die Marschrichtung für eine leistungsfähige Bahn festgelegt. Unsere Prioritäten sind klar: Verlässlichkeit. Qualität. Wirtschaftliche Tragfähigkeit. Im Jahr 2035 – zum 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland – wollen wir wieder eine Bahn sein, auf die wir alle stolz sein können.
2026 ist das erste Jahr unserer Transformation. In diesem Jahr legen wir das Fundament für die umfassende Neuausrichtung unseres Unternehmens. Wir werden uns erstens deutlich schlanker und zweitens deutlich dezentraler und unternehmerischer aufstellen.
Im ersten Halbjahr 2026 haben wir die neue Konzernstruktur auf den Weg gebracht: mit einer wesentlich schlankeren Konzernleitung, gestärkten Geschäftsfeldern und wettbewerbsfähigen Dienstleistern. Gleichzeitig verändern wir unsere Kultur. Leistung zählt und wird honoriert. Wir machen Tempo – und bleiben dabei realistisch. Auch wenn sich viele Menschen schnelle Veränderungen wünschen: Es gibt keinen Schalter, den man einfach umlegen kann. Veränderung braucht Zeit. Die angestoßenen Maßnahmen werden ihre Wirkung entfalten, aber eben nicht von heute auf morgen.
Diese Halbjahresbilanz ist die erste unter meiner Führung. Sie zeigt, dass wir bei der Wirtschaftlichkeit bereits einen wichtigen Meilenstein erreicht haben: ein positives Ergebnis nach Ertragsteuern. Auch wenn der Wandel Zeit braucht, liefern wir Schritt für Schritt das, was wir angekündigt haben. Das bislang Erreichte ist noch lange nicht das Ziel. Es zeigt aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Die Deutsche Bahn hat sich im ersten Halbjahr 2026 wirtschaftlich stabilisiert. Der Umsatz stieg gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres leicht um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT bereinigt) verbesserte sich deutlich um 654 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Ertragsteuern lag mit plus 147 Millionen Euro erstmals seit 2019 wieder im positiven Bereich.
Diese Fortschritte sind eine Gemeinschaftsleistung. Alle Geschäftsfelder haben stabile oder bessere Beiträge geleistet. Insgesamt sind wir im Kerngeschäft deutlich besser geworden.
DB Fernverkehr hat seinen Sanierungskurs erfolgreich begonnen und erstmals seit 2019 wieder ein positives bereinigtes EBIT erreicht. DB Regio bleibt weiterhin auf Erfolgskurs. DB Cargo hat sein operatives Ergebnis signifikant verbessert. Die schwarze Null ist dort zum Greifen nah. Unser Güterverkehr setzt in diesem Jahr konsequent einen anspruchsvollen Sanierungsplan um.
Klar ist aber auch: Die Bahn kann nur so gut sein wie das Schienennetz, auf dem sie fährt. Hier gibt es weiterhin viel aufzuholen – und genau das tun wir. Noch nie haben Bund und Bahn in den ersten sechs Monaten eines Jahres so viel Geld in die Schieneninfrastruktur investiert wie 2026. Insgesamt werden wir in diesem Jahr mehr als 20 Milliarden Euro investieren und damit den bisherigen Höchstwert übertreffen. Die deutlich höheren Bundesmittel sind ein starkes Signal für die Schiene.
Rekordinvestitionen bedeuten allerdings auch eine Rekordzahl an Baustellen. Von den 28.000 geplanten Baustellen – rund 2.000 mehr als im Vorjahr – sind bereits etwa 14.000 abgeschlossen. Der Bauboom belastet jedoch die Pünktlichkeit weiterhin erheblich. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten knapp 59 Prozent unserer Fernverkehrszüge ihr Ziel pünktlich. Gleichzeitig kamen in 76 Prozent der Fälle Fernzüge mit weniger als 15 Minuten Verspätung am Bahnhof an. Bei DB Regio lag die Pünktlichkeit bei rund 88 Prozent.
DB InfraGO hat die erste Hälfte des Super-Baujahres 2026 mit hohem Einsatz bewältigt. Auf den Hauptachsen Hagen — Wuppertal — Köln, Hamburg — Hannover und Nürnberg — Regensburg haben wir umfangreiche Bauprogramme umgesetzt. Neue Korridorsanierungen, etwa auf der rechten Rheinseite, sind wie geplant gestartet. Wenn wir gemeinsam mit dem Bund dieses Investitionsniveau halten, schaffen wir heute die Grundlage für mehr Pünktlichkeit in den kommenden Jahren.
Auch wenn die Pünktlichkeit noch deutlich unter unserem Anspruch liegt, sollen unsere Kundinnen und Kunden schon heute spüren, dass sich die Bahn verändert. Deshalb setzen wir drei Sofortprogramme um: für mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen, mehr Komfort in den Fernverkehrszügen und eine bessere Kundenkommunikation.
Im ersten Halbjahr 2026 haben wir Wort gehalten und die ersten Ziele erreicht. Zufrieden sind wir deshalb noch nicht. Wir arbeiten jeden Tag weiter – Schritt für Schritt – an einer besseren Bahn.
Unsere Ziele bleiben anspruchsvoll, aber realistisch. Erstmals seit Jahren kann die Deutsche Bahn das Gesamtjahr 2026 voraussichtlich wieder mit einem positiven Jahresergebnis abschließen. An dieser Prognose halten wir fest.
Vertrauen schaffen. Vertrauen stärken. Das gelingt nicht mit großen Worten, sondern mit vielen konsequenten Schrit-ten. Mit dieser Halbjahresbilanz haben wir die ersten davon gemacht.
Herzlichst
Evelyn Palla
Vorstandsvorsitzende der
Deutschen Bahn AG